Agri-PV: Zwei Ernten auf einem Hektar

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Wie Landwirte mit Agri-Photovoltaik ihre Fläche doppelt nutzen und was 2026 rechtlich und wirtschaftlich dabei zu beachten ist.

Landwirtschaftliche Fläche in Deutschland ist begrenzt, der Bedarf an beidem – Nahrungsmittelproduktion und Ökostrom – wächst weiter. Lange galt das als Entweder-oder: Acker oder Solarpark. Ein Beispiel aus der Forschung zeigt, warum das zu kurz gedacht ist: Auf der Fraunhofer-ISE-Pilotanlage in Heggelbach am Bodensee erreichte die kombinierte Nutzung von Kartoffelanbau und Solarstromerzeugung 2017 eine Flächeneffizienz (Land Equivalent Ratio) von 160 Prozent, im Hitzesommer 2018 sogar 186 Prozent. Ein wichtiger Vorbehalt gleich vorweg: Dieser Wert ist standort- und jahresspezifisch und lässt sich nicht pauschal auf jede Fläche übertragen. Aber das Prinzip dahinter ist real und mehrfach reproduziert: Wer eine Fläche doppelt nutzt, holt insgesamt mehr aus ihr heraus als bei getrennter Nutzung.

Was ist Agri-PV?

Agri-Photovoltaik bezeichnet Solaranlagen, bei denen die landwirtschaftliche Nutzung die Hauptnutzung der Fläche bleibt – die Stromerzeugung kommt als zweite Nutzung hinzu, nicht als Ersatz. Der deutsche Standard DIN SPEC 91434:2021-05 unterscheidet zwei technische Grundtypen:

Kategorie I – hochaufgeständert:

Module sitzen auf Gestellen mit mindestens 2,10 Metern lichter Höhe, sodass landwirtschaftliche Maschinen ungehindert darunter fahren können. Der zulässige Flächenverlust liegt bei maximal 10 Prozent.

Kategorie II – etwa vertikal-bifazial:

Module stehen aufrecht zwischen den Kulturreihen und erzeugen meist beidseitig Strom. Hier liegt der zulässige Flächenverlust bei bis zu 15 Prozent.

Für beide Kategorien gilt: Mindestens 66 Prozent des regionalen landwirtschaftlichen Referenzertrags müssen erhalten bleiben, damit die Fläche landwirtschaftlich bleibt und die Anlage als „besondere Solaranlage" nach EEG förderfähig ist

Der rechtliche Rahmen 2026

Seit Inkrafttreten des Solarpakets I am 16. Mai 2024 ist Agri-PV im EEG 2023 als eigenständiges Segment mit eigenem Ausschreibungsuntersegment verankert. Baurechtlich profitieren kleinere, hofnahe Anlagen von einer Privilegierung nach § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB – allerdings nur unter engen Voraussetzungen: räumlich-funktionaler Zusammenhang zu einem landwirtschaftlichen Betrieb, maximal 2,5 Hektar Größe, und nur eine privilegierte Anlage pro Hofstelle. Größere oder nicht hofnahe Projekte durchlaufen stattdessen ein reguläres gemeindliches Bauleitplanverfahren – planbar, aber mit längerem Vorlauf.

Für Landeigentümer praktisch relevant: Solange der Flächenverlust innerhalb der DIN-SPEC-Grenzen bleibt, bleiben mindestens 85 Prozent der Fläche weiterhin GAP-förderfähig, und der Ackerstatus bleibt bestehen – in der Regel auch die Einordnung als landwirtschaftliches Betriebsvermögen für die Erbschaftsteuer.

Ein wachsender Markt

Ende 2025 waren in Deutschland rund 800 Megawatt Agri-PV-Leistung installiert – gemessen an den insgesamt rund 117 Gigawatt Photovoltaikleistung im Land noch ein kleiner Anteil, aber mit klar steigender Tendenz. Dass das Konzept längst über Forschungsanlagen hinausgewachsen ist, zeigen Projekte wie die Anlage in Schlier (Landkreis Ravensburg), aktuell Deutschlands größte Agri-PV-Anlage, oder das 14 Hektar große Vorhaben in Löffingen mit drei kombinierten Kulturen. Eine Fraunhofer-ISE-Studie vom Juli 2025 beziffert das technische Flächenpotenzial für Agri-PV in Deutschland auf bis zu 500 Gigawatt auf den am besten geeigneten Flächen – berechnet über Dauergrünland, Ackerland und Dauerkulturen wie Obst- und Weinbau hinweg.

Was bedeutet das konkret für Landwirte?

Der Kern der Rechnung: Bei Agri-PV addieren sich Pachteinnahme und landwirtschaftlicher Ertrag, statt sich gegenseitig auszuschließen. Agri-PV-Pachten liegen laut Branchenbenchmarks typischerweise beim 2,5- bis 8-Fachen einer klassischen Ackerpacht (Referenzwerte laut Destatis-Agrarstrukturerhebung 2023: rund 407 €/ha für Ackerland, 212 €/ha für Dauergrünland) – bei gleichzeitig 85 bis 90 Prozent Weiternutzung der Fläche. Praxisbeispiel: Auf 10 Hektar Grünland mit vertikaler Agri-PV kann ein Milchviehbetrieb weiter beweiden und zusätzlich 10.000 bis 25.000 Euro Pachteinnahme pro Jahr erzielen.

Ein oft unterschätzter Nebeneffekt: In den trockenen Jahren 2018, 2019 und 2022 profitierten Kulturen unter Agri-PV-Anlagen in Forschungsversuchen von reduziertem Verdunstungsstress – ein Vorteil, der mit zunehmenden Hitzesommern an Bedeutung gewinnt.

Unser Ansatz bei Ossler Solar

Wir entwickeln Agri-PV-Projekte in Mecklenburg-Vorpommern, in exklusiver Partnerschaft mit Orrön Energy. Von der Prüfung, ob eine Fläche für die privilegierte Genehmigung nach § 35 BauGB infrage kommt, über das DIN-SPEC-konforme landwirtschaftliche Nutzungskonzept bis zur Umsetzung begleiten wir Landeigentümer durch den gesamten Prozess.

Sie möchten wissen, ob sich Ihre Fläche für Agri-PV eignet? Sprechen Sie uns an – wir prüfen das gemeinsam mit Ihnen, unverbindlich und kostenfrei.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Fraunhofer ISE (2019): Pressemitteilung zur Pilotanlage Heggelbach; Trommsdorff, M. et al. (2021), Renewable and Sustainable Energy Reviews, DOI: 10.1016/j.rser.2020.110694
  • Fraunhofer ISE (Juli 2025): Studie zum Flächenpotenzial für Agri-PV in Deutschland
  • DIN SPEC 91434:2021-05, Beuth Verlag – Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung von Agri-PV-Anlagen
  • Baugesetzbuch (BauGB), § 35 Abs. 1 Nr. 9 – Privilegierungstatbestand für hofnahe Agri-PV-Anlagen
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Agrarstrukturerhebung 2023, veröffentlicht 12.04.2024

Bildnachweise (alle vier kostenfrei unter der Unsplash-Lizenz, Namensnennung nicht verpflichtend, hier aber der Vollständigkeit halber aufgeführt)

  • Titelbild (Solarpanel-Feld mit Kran): Foto von Vlad Burac auf Unsplash – unsplash.com/photos/aerial-view-of-a-solar-panel-field-with-a-crane-QQRumEY3PrM
  • Bild nach Kategorie I/II (bodenmontierte Anlage, String-Wechselrichter): Foto von Sungrow EMEA auf Unsplash – unsplash.com/photos/blue-solar-panels-on-green-grass-field-under-white-clouds-and-blue-sky-during-daytime-VC-m6ULjJ6Y
  • Bild vor „Was bedeutet das für Landwirte": Foto von Michael Förtsch auf Unsplash – unsplash.com/photos/a-row-of-solar-panels-in-a-field-GdaQ2ohAGeM
  • Bild vor „Unser Ansatz": Foto von Vlad Burac auf Unsplash – unsplash.com/photos/expansive-solar-panel-farm-under-a-clear-blue-sky-CVjxkBW22fU

Kontaktieren Sie uns

info@ossler-solar.de
Friedrichstraße 155, 10117, Berlin
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