Ein Plattenbauquartier wird zum Kraftwerk
Der Bruno-Baum-Ring ist kein Neubaugebiet. Hier stehen Wohnblocks aus DDR-Zeiten, sanierte Fassaden, gewachsene Nachbarschaften. Menschen wohnen hier teils seit Jahrzehnten.
Genau deshalb war dieses Projekt interessant für uns. Über Solarparks auf der grünen Wiese wird viel gesprochen. Über die Dächer, unter denen Menschen tatsächlich wohnen, deutlich weniger. Dabei liegt dort eine Fläche, die niemand zusätzlich versiegeln muss.
Die Initiative kam von der Genossenschaft selbst. Unter dem Titel „Unabhängigkeit für Rathenow“ wollte die Rathenower Wohnungsbaugenossenschaft ihren Mitgliedern Strom vom eigenen Dach anbieten. 22 Mehrfamilienhäuser, aufgeteilt in drei Gebäudegruppen, tragen heute rund 416 kWp. Dazu kommen 216 kWh Batteriespeicher, damit der Strom nicht nur mittags zur Verfügung steht, sondern auch abends, wenn die Leute von der Arbeit kommen.
Das Projekt in Zahlen
- 22 Mehrfamilienhäuser in drei Gebäudegruppen
- 220 Wohnungen im Quartier
- rund 416 kWp Photovoltaikleistung
- 216 kWh Batteriespeicher

Was das für die Mieterinnen und Mieter heißt
Mieterstrom klingt technisch, ist im Alltag aber vor allem eine Preisfrage. Der Strom wird auf dem Dach erzeugt und direkt im Haus verbraucht, ohne Umweg über das öffentliche Netz. Das spart Netzentgelte, und dieser Vorteil landet beim Haushalt.
- 25,5 Cent je Kilowattstunde Solarstrom vom Dach
- 28,9 Cent je Kilowattstunde Netzstrom als Ergänzung
- 14 Euro Grundgebühr pro Monat
So kommt der Strom in die Wohnung
- Die Solaranlagen auf den Hausdächern erzeugen Strom.
- Der Strom wird zuerst direkt im Haus genutzt.
- Batteriespeicher sorgen für Versorgung auch abends.
- Wenn nötig, kommt zusätzlicher Ökostrom aus dem Netz.
Was im Angebot enthalten ist
- Kostenloser digitaler Zähler. Jeder Teilnehmer bekommt einen neuen Zähler, der den Verbrauch genau erfasst.
- Ökostrom-Garantie. Reichen Sonne und Speicher nicht, wird zertifizierter Ökostrom nachgeliefert.
- Keine Verpflichtung. Die Teilnahme ist freiwillig, das Recht auf freie Anbieterwahl bleibt bestehen.
- Vertrag in vier Minuten. Der Abschluss läuft online über das Portal, auf Wunsch begleiten wir persönlich.
Die Genossenschaft ist Gastgeberin und Ansprechpartnerin vor Ort. Vertragspartner für die Stromlieferung ist die Projektgesellschaft, die die Anlagen betreibt. Die kaufmännische Abwicklung übernimmt metergrid.
Vier Partner, vier Aufgaben
Ein Projekt dieser Größe funktioniert nur, wenn die Zuständigkeiten sauber verteilt sind. Auf dem Dach zu bohren ist das eine. Dass am Ende jede Wohnung eine korrekte Abrechnung bekommt, ist das andere. Und ehrlich gesagt der Teil, an dem die meisten Mieterstromprojekte scheitern.
- RWG Rathenow, Initiatorin. Die Genossenschaft hat das Projekt angestoßen, stellt die Dachflächen und begleitet die Kommunikation mit ihren Mitgliedern. In die Solartechnik selbst musste sie nicht investieren.
- Ossler Solar, Projektentwicklung. Wir haben das Projekt entwickelt, die Investoren gewonnen, die Technik koordiniert und die Mieterinnen und Mieter beim Wechsel begleitet.
- metergrid, Energiewirtschaft. Messkonzept, Gateway-Prozesse, digitale Vertragsabschlüsse, Kundenverwaltung und Abrechnung, umgesetzt im Servicemodell metergrid Plus.
- Kintlein & Ose, technische Umsetzung. Planung und Installation vor Ort: Unterkonstruktion, Module, Elektrik.
Finanziert und betrieben werden die Anlagen von vier privaten Investoren. Für die Genossenschaft war damit keine eigene Investition in die Solartechnik nötig. Ein Modell, das gerade für Wohnungsunternehmen mit begrenztem Budget den Unterschied macht.
Ohne einen Partner, der die energiewirtschaftliche Seite beherrscht, bleibt Mieterstrom eine gute Idee auf dem Papier. Mit metergrid wird daraus ein Produkt, das man Mietern tatsächlich anbieten kann.

Wo das Projekt gerade steht
Die drei Gebäudegruppen sind technisch unterschiedlich gelöst. Gruppe 1 ist als Zentralanlage über zehn Gebäude ausgeführt, aufgeteilt in zwei Blöcke von jeweils rund 99 kWp. Die Gruppen 2 und 3 bestehen aus jeweils sechs eigenständigen Anlagen, eine pro Gebäude, mit Sigenergy-Reglern von je 15 kW und Batteriemodulen von je 9 kWh. Pro Gruppe ergibt das 108 kWh Speicher.
- Gruppe 1: DC-Installation abgeschlossen.
- Gruppen 2 und 3: Gateways installiert.
- AC-Fertigstellung: läuft.
- Freigabe und Zählersetzung durch E.DIS: steht noch aus.
Das Projekt befindet sich damit in der Umsetzung. Die Inbetriebnahme erfolgt nach Freigabe und Zählersetzung durch E.DIS. Bereits montierte Module sind deshalb nicht mit einer abgeschlossenen Inbetriebnahme gleichzusetzen.
Bemerkenswert ist, woran es nicht liegt: Die Terminplanung hängt nicht an der technischen Machbarkeit, sondern an Bearbeitungszeiten beim Netzbetreiber. Eine Erfahrung, die vermutlich jeder kennt, der in Deutschland Mieterstrom umsetzt.

Die eigentliche Arbeit fand an Stehtischen statt
Am 28. Februar 2026 haben wir zum Informationsnachmittag ins Tivoli in der Karl-Germann-Straße eingeladen, 14 Uhr, Kaffee und Kuchen, offener Ausklang. Wir hatten mit sechzig, vielleicht achtzig Leuten gerechnet. Gekommen sind über 150.
Auf dem Podium standen an diesem Nachmittag nicht nur wir. Der Rathenower Bürgermeister Jörg Zietemann und der Vorstand der Genossenschaft sprachen ebenfalls. Für ein Quartiersprojekt ist das mehr als Protokoll: Wenn Stadt und Genossenschaft gemeinsam auftreten, ist die erste Frage im Raum nicht mehr, ob das Ganze seriös ist.

Danach wurde zwei Stunden lang gefragt. Was kostet der Strom? Was passiert, wenn ich umziehe? Bleibt mein alter Anbieter eine Option? Solche Fragen kommen nicht aus Skepsis, sondern weil es um den eigenen Haushalt geht.
Die Bewohnerschaft am Bruno-Baum-Ring ist gemischt, in Alter, Herkunft und Mediennutzung. Ein reiner Online-Anmeldeprozess hätte hier einen großen Teil der Leute schlicht nicht erreicht. Also haben wir mehrere Wege parallel bedient: Infostände direkt in den Hauseingängen, telefonische Nachfassaktionen, Webinare für alle, die lieber von zu Hause zuhören, und Unterlagen in mehreren Sprachen.
Das ist aufwendiger als ein Anmeldeformular. Es hat die Teilnahmequote aber messbar erhöht. Wir haben aus Rathenow vor allem eines mitgenommen: Die Technik ist selten das Problem. Vertrauen ist die eigentliche Arbeit.

Rathenow ist nicht der Schlusspunkt
Aus den ersten Bauabschnitten haben alle Beteiligten Prozesse mitgenommen, die sich beim nächsten Mal schneller abwickeln lassen. Genau dafür war dieses Projekt auch gedacht: als Blaupause für den Bestand, nicht als Einzelfall.
Konkret in Vorbereitung ist bereits ein weiteres Ensemble aus sechs Gebäuden mit rund 77,6 kWp und 65 Wohneinheiten. Darüber hinaus werden sechs weitere Liegenschaften der Genossenschaft geprüft. Zusammengenommen liegt dort ein Portfolio-Potenzial von etwa 300 bis 450 kWp.
Den ausführlichen technischen Projektbericht hat unser Partner metergrid veröffentlicht: Projektbericht Mieterstrom für 22 Mehrfamilienhäuser.
Was ist auf Ihren Dächern möglich?
Sie verwalten Mehrfamilienhäuser und wollen wissen, ob Mieterstrom für Ihren Bestand funktioniert? Wir schauen uns Dachflächen, Zählerstruktur und Ausgangslage an und sagen Ihnen ehrlich, ob es sich rechnet.
Patryk Splitt begleitet das Quartier in Rathenow seit der ersten Veranstaltung. Fragen zum Vertrag, zum Wechsel oder zum Ablauf gehen direkt an ihn: patryk.splitt@ossler-solar.de oder +49 30 9173 2195. Einen Videocall können Sie direkt online buchen.

